Diagnostischer Wert von Laborparametern zur Unterscheidung zwischen Erysipel und begrenzter Phlegmone

J Dtsch Dermatol Ges. 2020 Dec;18(12):1417-1425. doi: 10.1111/ddg.14252_g.
[Article in German]

Abstract

Hintergrund und ziele: Das Erysipel, hervorgerufen durch beta-hämolysierende Streptokokken, und die begrenzte Phlegmone, häufig ausgelöst durch Staphylococcus aureus oder andere Bakterien, sind Infektionen der Haut und des Weichteilgewebes mit typischen klinischen Symptomen. Allerdings wird oft (etwa in klinischen Studien) nicht zwischen den beiden Krankheitsbildern differenziert, obwohl dies therapeutisch relevant sein könnte. Das Erysipel lässt sich mit Penicillin effektiv behandeln, während man für die begrenzte Phlegmone Antibiotika mit breiterem Spektrum benötigt. Diese Studie untersucht, inwieweit Parameter wie CRP, Blutbild oder neuere Parameter wie unreife Granulozyten als Biomarker dienen können, um zwischen den beiden Entitäten zu unterscheiden.

Patienten und methoden: In diese retrospektive Analyse wurden 163 Patienten einbezogen. Wir verglichen Laborparameter von Patienten mit Erysipel (n = 68) mit denen von Patienten mit begrenzter Phlegmone (n = 41). In allen Fällen handelte es sich um Infektionen am Bein. Die Diagnose „Erysipel“ beziehungsweise „begrenzte Phlegmone“ wurde klinisch gestellt, mit dem zusätzlichen Aspekt, dass ein schnelles Ansprechen auf Penicillin für die Diagnose „Erysipel“ sprach.

Ergebnisse: Beim Erysipel war die Entzündungsreaktion stärker ausgeprägt. Als die besten Parameter zur Unterscheidung zwischen den beiden Formen der Infektion erwiesen sich CRP und Leukozytenzahl. Ein CRP-Wert von ≥ 3,27 mg/dl sprach mit 75 % Sensitivität und 73,2 % Spezifität für die Diagnose „Erysipel“.

Schlussfolgerungen: Unsere Ergebnisse stützen die in den deutschen Leitlinien vertretene These, dass das Erysipel und die begrenzte Phlegmone unterschiedliche Formen der Entzündung sind. Die Bestimmung von CRP und Leukozyten hilft bei der Differenzialdiagnose.