Dissociative Visual Loss in Children and Adolescents

Klin Monbl Augenheilkd. 2021 Oct;238(10):1084-1091. doi: 10.1055/a-1617-3193. Epub 2021 Oct 18.
[Article in English, German]

Abstract

Psychogenic vision disorders in children and adolescents are a common disorder primarily encountered by ophthalmologists at the onset because, as with other disorders of dissociation, the presentation suggests a neurologic or other somatic condition. Loss of visual acuity, blurred vision and visual field restriction-often described as tunnel vision-appears to be typical. The onset may be sudden, frequently related to a wide range of stressful life events (school failure, family conflicts, accidents). While the majority of these children quickly recover from their symptoms, a substantial percentage experience persistent symptoms or a fluctuating course. Due to the lack of efficacy studies of specific treatment protocols, diagnostic work-up and treatment suffer from a high degree of uncertainty. Differentiating dissociative visual loss from physical illness requires special expertise. The uncertainty of ophthalmologists and the other specialists involved in dealing with this clinical condition often delays the specialised treatment and may also trigger inadequate therapy with the iatrogenic risk of harming the patient. This article primarily describes the disorder-specific psychiatric diagnostic as well as the somatic differential diagnostic work-up and outlines the therapeutic principles of dissociative visual loss.

Psychogene Störungen der Sehfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen sind eine nicht selten anzutreffende Störung, mit der am Beginn der Störung vorrangig Augenärzte konfrontiert sind, da das Erscheinungsbild, wie bei anderen Störungen aus dem dissoziativen Krankheitsspektrum, ein neurologisches oder anderweitiges somatisches Krankheitsbild nahelegt. Charakteristisch erscheint der Verlust der Sehschärfe, Verschwommensehen oder eine Gesichtsfeldeinschränkung – oft beschrieben als ein Tunnelsehen. Kennzeichnend sind ein häufig plötzlicher Beginn, nicht selten im zeitlichen Zusammenhang von belastenden Lebensereignissen eines weiten Spektrums (Schulversagen, familiäre Konflikte, Unfälle). Während bei einem Großteil der betroffenen Kinder die Symptomatik zügig rückläufig ist, zeigt ein substanzieller Anteil der Kinder eine anhaltende Symptomatik oder einen fluktuierenden Verlauf. Die diagnostischen Prozesse und das Behandlungsvorgehen sind durch das Fehlen von Wirksamkeitsüberprüfungen spezifischer Therapieverfahren von großer Unsicherheit geprägt. Differenzialdiagnostische Abgrenzungen einer dissoziativen Sehstörung von organmedizinischen Erkrankungen setzen eine besondere fachliche Expertise voraus. Die Unsicherheit von Ärzten der Augenheilkunde, aber auch der unterschiedlichen involvierten Fachdisziplinen im Umgang mit diesem Krankheitsbild trägt nicht selten zur Verzögerung einer fachspezifischen Behandlungsaufnahme bei oder auch zur Aufnahme nicht adäquater Therapieversuche, die auch die Gefahr einer iatrogenen Schädigung in sich bergen. Dieser Artikel beschreibt vorrangig die psychiatrische störungsspezifische Diagnostik sowie die somatische Differenzialdiagnostik und skizziert die therapeutischen Prinzipien der dissoziativen Sehstörung.

MeSH terms

  • Adolescent
  • Child
  • Humans
  • Scotoma
  • Somatoform Disorders*
  • Vision Disorders* / diagnosis
  • Vision Disorders* / etiology
  • Vision Disorders* / therapy
  • Visual Acuity