[Essen transition model for neuromuscular diseases]

Nervenarzt. 2022 Mar 7. doi: 10.1007/s00115-022-01274-6. Online ahead of print.
[Article in German]

Abstract

Background: Advances in healthcare systems with new therapeutic options improve the life expectancy of patients with neuromuscular diseases. With this, a shift in the phenotype of the diseases from the neuromuscular system towards other organs is more frequently observed, requiring closer interdisciplinary cooperation in caring for these young adults. Therefore, the transition to the adult caring system is nowadays a multilayered transfer with the need for complex care of these patients.

Objective: How can the transitional process be efficiently structured to combine the therapeutic effort of each specialist discipline involved and improve the healthcare process and quality of life in young adults with neuromuscular diseases?

Material and method: The Departments of Neuropediatrics and Neurology of the University Medicine Essen established the Essen transition model for a structured transitional process. A concept of care was developed for the late onset Pompe's disease, Duchenne muscular dystrophy and juvenile myasthenia gravis representatively for neuromuscular diseases. It consists of four components: 1) In a standardized operational procedure (SOP), general processes, clinical diagnostic steps and guidance of treatment between the two departments are harmonized and specified. 2) The young adults and their relatives are seen in a joint consultation of both disciplines allowing a comprehensive handover for healthcare professionals. 3) In a quarterly meeting, transition conference representatives from the different specialized disciplines from pediatric and adult medicine get together for a case-related interdisciplinary exchange. 4) An interdepartmental transitional database was created to integrate all diagnostic results and parameters as a common information platform and data basis.

Conclusion: The Essen transition model aims to close a gap in the transition of patients with neuromuscular diseases and improve healthcare in these patients with their complex needs.

Zusammenfassung: HINTERGRUND: Durch die Optimierung medizinischer Versorgungsstrukturen und die gravierenden Fortschritte bei der Entwicklung neuer Therapieverfahren wird ein Anstieg der Lebenserwartung bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen beobachtet. Dies führt zu einer Erweiterung des phänotypischen Spektrums, wodurch neue bzw. bislang wenig relevante Krankheitsmanifestationen in unterschiedlichen Organsystemen an Bedeutung gewinnen. Die Betreuung jugendlicher und junger Erwachsener mit neuromuskulären Erkrankungen verlangt daher eine zunehmend enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Fragestellung: Wie kann der Transitionsprozess von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin so strukturiert werden, dass die einzelnen Fachdisziplinen effizient in den komplexen Behandlungs- und Versorgungsprozess eingebunden und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden?

Material und methode: An der Universitätsmedizin Essen wurde ein strukturierter Transitionsprozess etabliert. Exemplarisch wurde anhand des Morbus Pompe („late onset M. Pompe“ [LOPD]), der Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) und der juvenilen Myasthenia gravis (jMG) ein entsprechendes Versorgungskonzept entwickelt. Dies umfasst vier Elemente: 1) Mit der Einführung klinikübergreifender SOPs („standard operating procedure“) werden die logistischen Abläufe sowie die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen einheitlich abgestimmt und der Transitionsprozess verbindlich festgelegt. 2) Um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten, werden junge Patienten vor Erreichen des 17. Geburtstages mit ihren Eltern im Zuge gemeinsamer Transitionssprechstunden betreut. Dies schafft die Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens und der Bildung eines nachhaltigen Vertrauensverhältnisses. 3) Ein quartalsweise stattfindendes „Transitionsboard“ bringt die beteiligten Fachdisziplinen aus Kinder- und Erwachsenenmedizin für einen fallbezogenen interdisziplinären Austausch und eine stetige Optimierung des Transitionsprozesses regelmäßig zusammen. 4) Als gemeinsame Informationsplattform und Datengrundlage wurde eine klinikübergreifende „Transitionsdatenbank“, in der medizinische Befunde und Verlaufsparameter erfasst werden, implementiert.

Schlussfolgerung: Mit dem Essener Transitionsmodell soll die Versorgungslücke junger Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen während der kritischen Übergangsphase von der Kinder- zur Erwachsenenmedizin geschlossen und die Grundlage für eine erfolgreiche Weiterbehandlung im Erwachsenenalter geschaffen werden.

Keywords: Duchenne Dystrophy; Interdisciplinarity; Juvenile Myasthenia Gravis; Late onset Pompe´s Disease; Neuromuscular Disorders.

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